Obdachlose im Bahnhof – Wie verhalte ich mich richtig?

Die Zahl der Wohnungslosen in Deutschland wächst von Jahr zu Jahr an. Das lässt sich auch an vielen Bahnhöfen beobachten: Immer mehr Obdachlose nutzen die Hallen und Bahnsteige, um sich hier tagsüber aufzuhalten oder zu übernachten. Dabei kann es auch zu Zusammenstößen mit Passanten kommen. In diesem Beitrag erklären wir, wie Sie sich in einer solchen Situation richtig verhalten.

Der Bahnhof als beliebter Treffpunkt

Am Bahnhof ist tagsüber immer viel los. Hier können sich Obdachlose unauffällig unter die Menschen mischen. Außerdem versprechen die vielen Touristen höhere Erfolgschancen beim Betteln. Im Herbst und Winter gibt es außerdem beheizte Stellen, und die Bahnhofshallen schützen vor Wind und Regen.
Bahnhöfe sind weiterhin ein Treffpunkt für Menschen, die mit den gleichen Problemen zu kämpfen haben. Hier entstehen meist die einzigen sozialen Kontakte und Beziehungen, die Obdachlose haben.

Niemand ist freiwillig obdachlos

Viele nehmen die „herumlungernden“ Obdachlosen als Störung wahr. Das permanente Betteln, lautstarke Unterhaltungen oder ein unangenehmer Geruch löst in vielen Reisenden eine grundlegende Abneigung aus. Sie sollen sich eine Arbeit suchen, sich engagieren, anstatt nur zu betteln, so die Meinung vieler. Dabei darf aber nicht vergessen werden: Die wenigsten können etwas für ihre Situation. Niemand sucht es sich aus, obdachlos zu sein. Viele leben von Tag zu Tag, und sind auf die Hilfe der Passanten und Sozialarbeiter sowie Hilfsprogramme wie die Bahnhofsmission angewiesen. Denn aus eigener Kraft schaffen es die wenigsten raus aus dieser Situation.

Das Problem mit den Platzverweisen

Kommt es zu Zwischenfällen wie Ruhestörungen, störendem Alkoholkonsum oder aggressivem Betteln, reagiert die Polizei in den meisten Fällen mit Platzverweisen und Aufenthaltsverboten. Die Folge ist, dass sich die betroffenen Personen woanders niederlassen und am nächsten Tag wieder in der Bahnhofshalle sitzen. In vielen Städten wird zusätzlich mit Baumaßnahmen versucht, Obdachlose von der Übernachtung in Bahnhöfen abzuhalten. Dafür werden zum Beispiel Bänke so gebaut, dass es nicht möglich ist darauf zu schlafen. Anstelle dieser zeitweisen lokalen Ermahnungen, die die Probleme nur verlagern und nicht lösen, müsste viel stärker in unterschiedliche Hilfsangebote für Betroffene investiert werden.

So verhalten Sie sich richtig

Mit einer kleinen Geld- oder Essensspende können Sie Obdachlosen über den Tag helfen. In den meisten Fällen reagieren die Betroffenen freundlich und dankbar auf die Unterstützung. An heißen Tagen kann beispielsweise eine Wasserflasche viel ausmachen, an kalten eine Decke. Bei extremen Wetterlagen gilt es, aufmerksam zu sein: Liegt jemand reglos auf dem Boden, sollten Sie die Person ansprechen und fragen, ob alles in Ordnung ist. Bieten Sie Hilfe an und holen Sie im Notfall die Bahnhofsmission oder alarmieren Sie den Notruf.
Unter starkem Alkoholeinfluss kann es zu unschönen Szenen kommen. Werden Sie verbal attackiert, haben Sie jedes Recht das Gespräch zu beenden und sich zu entfernen. Entgleitet die Situation und es kommt zu körperlichen Übergriffen, sollten Sie sich anderen Personen zuwenden und um Unterstützung bitten. In einem solchen Fall können Sie die Polizei rufen. Auch aggressives Betteln kann in Deutschland als Nötigung eingestuft und geahndet werden.

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So reisen Senioren sicher mit dem Zug

Viele Senioren sind mit einem Mal stark eingeschränkt, wenn Sie das Auto nicht mehr nutzen können. Dabei bietet die Bahn eine sichere und praktische Alternative, um auch im Alter noch mobil zu bleiben. Vor Ihrer Reise sollten Sie jedoch einige Dinge beachten.

Vorausschauend planen

Seien Sie wenn möglich schon frühzeitig am Gleis, um Stress beim Einsteigen zu vermeiden und einen guten Sitzplatz für sich zu finden. Außerdem können Sie so auf eventuelle kurzfristige Änderungen von Abfahrtsgleis und Abfahrtszeit reagieren. Planen Sie außerdem genügend Zeit beim Umsteigen ein und informieren Sie sich vorab, wo sich das Gleis Ihres Anschlusszuges befindet. Dabei hilft Ihnen gern das Zugpersonal.

Am Gleis

Sind Sie am Gleis angekommen, sollten Sie unbedingt den Mindestabstand zum Gleisbett einhalten. Nähern Sie sich dem Zug am besten erst, wenn er steht. Optimaler Weise können Sie dem Schaffner mit einem Winken symbolisieren, dass Sie beim Einsteigen etwas länger brauchen. So stellen Sie sicher, dass der Zug nicht ohne Sie fährt. Wenn Sie Probleme beim Einsteigen haben, können Sie andere Reisende oder das Zugpersonal um Hilfe bitten.

Reisen mit viel Gepäck

Haben Sie einen schweren Koffer oder eine sperrige Tasche, bietet sich der Deutsche Bahn Gepäckservice an. Sie können ihr Gepäck vor der Reise zu einem Hermes Paketshop bringen oder es bei sich abholen lassen. Die Zustellung zu Ihrem Reiseziel erfolgt am übernächsten Werktag.
Auf unserem Blogbeitrag „So verstauen Sie Ihr Gepäck sicher im Zug“ erhalten Sie außerdem einige Tipps für Ihre Reise mit Gepäck. Sprechen Sie andere Reisende oder das Zugpersonal an, wenn Sie Hilfe benötigen.

Reisen mit eingeschränktem Sehvermögen

Eingeschränktes Sehvermögen hält viele ältere Menschen vom Reisen mit der Bahn ab. Dabei können Sie Ihre Reise schon im Voraus so planen, dass Sie sich gut im Bahnhof und Zug zurecht finden. Auf der Seite der Deutschen Bahn können Sie sich über Bahnhöfe und örtliche Gegebenheiten informieren. Zusätzlich berät Sie die Mobilitätsservice-Zentrale telefonisch, unter 030 65212888. Hier können Sie, sich den Weg zum Gleis erklären lassen oder Hilfe zum Ein- und Aussteigen beantragen. Außerdem erhalten Sie Informationen zu Störungen an Aufzügen oder Baustellen auf Ihrem Weg.

Reisen mit einer Gehbehinderung

Auch für Reisende mit einer Gehbehinderung gibt die Mobilitätsservice-Zentrale Auskunft. Hier können Sie sich beispielsweise über vorhandene Fahrstühle und Rolltreppen informieren. Personen, die mit Rollator unterwegs sind, finden auf unserem Beitrag „Sichere Bahnfahrt mit dem Rollator“ hilfreiche Informationen. Für Rollstuhlfahrer gibt der Beitrag „Barrierefrei in der Bahn: Reisen mit Mobilitätseinschränkung“ Auskunft.

Preisvergünstigungen für Senioren

Viele Bahnunternehmen bieten Vergünstigungen für Senioren an. Informieren Sie sich dazu auf der entsprechenden Internetseite oder unter der Servicehotline. Angebote der Deutschen Bahn, wie die BahnCard für Personen ab 65 Jahren, finden Sie unter Generation 65plus.

Photo by Jack Finnigan on Unsplash

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Frau einsam vor einem fahrenden Zug

Rassismus im Zug – Wie kann ich helfen?

Tagtäglich werden Menschen in aller Öffentlichkeit Opfer von Rassismus. Dazu gehören Beschimpfungen und Angriffe aufgrund der vermeintlichen Herkunft oder einer Religionszugehörigkeit. Sie werden anders behandelt oder ausgegrenzt. Viele Beobachter solcher Situationen schweigen und schauen zu – häufig sind Sie mit der Situation überfordert und wissen nicht, was sie tun können. Doch Schweigen ist für die Betroffenen so schlimm wie der Angriff selbst.

Wann sollte ich eingreifen, und wann nicht?

Eine Situation richtig einzuschätzen, ist niemals leicht. Fühlt sich die Person überhaupt angegriffen? War das eine Beleidigung? Hier gibt es keine klare Grenze. Hören Sie daher auf Ihr Bauchgefühl: Meist haben wir ein gutes Gespür dafür, ob jemand beleidigt oder aggressiv angegangen worden ist. Greifen Sie lieber einmal mehr in die Situation ein, und bieten Sie der betroffenen Person Ihre Hilfe an. Stellen Sie Augenkontakt her und begeben Sie sich in unmittelbare Nähe. Sätze wie „Ich helfe Ihnen“ geben dem Betroffenen Sicherheit.

Machen Sie auch andere auf die Situation aufmerksam. Meist ist es leichter, wenn sich mehrere Fahrgäste oder das Zugpersonal gemeinsam einschalten. Werden Sie vom Zuschauer zum Helfer, und zeigen Sie der betroffenen Person, dass Sie nicht allein ist.

Schützen Sie sich selbst!

Beobachten Sie das Verhalten des Angreifers genau. Wendet er sich ab? Oder wird er noch aggressiver? Auf keinen Fall sollten Sie sich unnötig in Gefahr bringen. Berühren Sie den Täter nicht, und wenden Sie keine Gewalt an. Auch verbal sollten Sie sich nicht provozieren lassen: Richten Sie Ihre Aufmerksamkeit darauf, der betroffenen Person zu helfen. Das schaffen Sie nur mit Ruhe und Übersicht. Sollte es zu einem körperlichen Übergriff kommen, machen Sie sich laut bemerkbar. Rufen Sie „Stopp! Aufhören!“ und holen Sie ihr Telefon hervor. Rufen Sie die Polizei und filmen Sie das Geschehen. Die Videos dürfen Sie zwar nicht veröffentlichen, jedoch zeigen Sie dem Angreifer, dass sein Handeln Konsequenzen haben wird. Außerdem können Sie den Zugführer  informieren. Im äußersten Notfall betätigen den Notknopf oder die Notbremse. Mehr zu diesen beiden Varianten lesen Sie in unserem Beitrag über den Einsatz von Notbremsen.

Nach dem Angriff

Häufig werden rassistische Vorfälle nicht gemeldet. Merken Sie sich Gesicht und Kleidung des Täters und erstatten Sie in Absprache mit der betroffenen Person Anzeige. Bitten Sie andere Fahrgäste, sich als Zeugen zu melden. Lassen Sie die Person nach dem Angriff nicht allein, und vergewissern Sie sich, dass es ihr gut geht. Bieten Sie ihr an, eine Verbindung zu einer Beratungsstelle aufzubauen, bei der sie professionelle Hilfe bekommen kann. Eine Übersicht zu Beratungsstellen finden Sie auf der Seite der Amadeo Antonio Stiftung.

Wie kann ich mich vorbereiten?

Personen, die selbst keine Erfahrungen mit Rassismus gemacht haben, sollten Betroffenen zuhören und sich mit ihren Sichtweisen und Erfahrungen auseinander setzen. Außerdem können Sie sich durch Gedankentraining auf eventuelle Situationen vorbereiten. Stellen Sie sich vor, wie Sie reagieren und was Sie sagen würden. Das gibt Ihnen Sicherheit, sollte es zu einer entsprechenden Situation kommen. Auch hier hilft Ihnen die Amadeo Antonio Stiftung . Auf der Seite finden Sie weitere Informationen zum Thema Rassismus und Hinweise, wie Sie sich bei rassistischen Übergriffen richtig verhalten.

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Tipps für die sichere Zugfahrt in Corona-Zeiten

Ob Pendeln zur Arbeit, Dienstreise oder Hilfe für Angehörige: Für viele gehört der Zug zu einem der wichtigsten Verkehrsmittel. Wegen der Corona-Pandemie sind einige aber verunsichert, wie sie sich vor einer Ansteckung am besten schützen können. Wir geben Ihnen Tipps, wie Sie auch in Corona-Zeiten sicher im Zug reisen.

Maskenpflicht befolgen

Wie in allen öffentlichen Bereichen gilt auch in Bahnhöfen, an Bahnsteigen und in den Zügen: Nase und Mund müssen bedeckt sein, um das Übertragungsrisiko zu minimieren. Den besten Schutz vor Ansteckung bieten Ihnen die FFP2- und FFP-3-Masken. Aber egal, welche Maske Sie letztlich nutzen: Achten Sie immer darauf, dass sie Mund, Nase und Kinn bedeckt, eng anliegt und regelmäßig gewechselt bzw. gewaschen wird.

Abstand halten

Ob auf dem Bahnsteig oder im Zug: Einen sicheren Abstand zu Mitreisenden zu halten, ist besonders wichtig. Beim Warten auf den Zug können Sie beispielsweise die gesamte Länge des Bahnsteigs nutzen.

Steht der Zug, lohnt sich oft ein Blick durch die Fenster, um zu sehen, wo sich freie Sitzplätze befinden. So vermeiden Sie unnötige Wege innerhalb der Zugabteile, indem Sie den nahesten Einstieg nutzen.

Haben Sie eine große Auswahl an freien Sitzplätzen, ist es natürlich sinnvoll, genügend Abstand zu Sitznachbarn zu halten. Zeigen Sie sich aber auch solidarisch, zum Beispiel indem Sie als Alleinreisende*r nicht unbedingt eine Vierer-Sitzgruppe belegen.

Hygiene-Etikette beachten

Achten Sie darauf, dass Sie in die Armbeuge niesen oder husten. Auch das Wegdrehen kann helfen: sowohl wenn Sie als auch Ihre Sitznachbar*innen in eine solche Verlegenheit kommen.

Regelmäßiges Händewaschen und Desinfizieren fällt auf Zugreisen nicht immer leicht. Beides bietet jedoch weiterhin einen effektiven Schutz. Die Züge werden in Corona-Zeiten zwar verstärkt gereinigt, es ist aber auch keine schlechte Idee, zusätzlich ein kleines Reiseset mit Desinfektionsmittel und Reinigungstüchern dabeizuhaben.

Randzeiten nutzen

Nicht jeder ist zeitlich flexibel beim Zugfahren. Haben Sie jedoch die Möglichkeit, Ihre Reisezeiten selbst zu bestimmen, meiden Sie Stoßzeiten bewusst. Denn weniger Mitreisende bedeuten mehr Platz im Zug, mehr Abstand und weniger Kontakte mit anderen.

Wenn möglich planen Sie Ihre Reise z. B. nicht am Anfang oder Ende des Wochenendes, der Feiertage oder der Schulferien. Pendler könnten prüfen, ob der Arbeitgeber bereit ist, Gleitzeitvereinbarungen zu ermöglichen. Das würde ihnen erlauben, die Zeit des Berufsverkehrs zu meiden.

Kontaktlos Tickets kaufen

Viele Zugunternehmen bieten mittlerweile die Möglichkeit, Tickets kontaktlos per App zu kaufen. Diese haben zusätzlich den Vorteil, dass Sie meist auch Auskünfte zu Fahrplänen, Verkehrsnachrichten und Anschlusszeiten einholen können. Und das ohne zusätzlichen Kontakt mit Kundenbetreuern und Mitreisenden, die sich an Aushängen drängen.

Verhalten Sie sich solidarisch

Gehen Sie mit gutem Beispiel voran und achten Sie auch im Reisestress auf andere. So wird Abstandhalten leichter und Sie gehen möglichen Reibereien und Konflikten von vornherein aus dem Weg.

Außerdem erkennen Mitreisende so meist intuitiv, auf welche Verhaltensweisen Sie wertlegen. Sollte einmal eine andere Person keine Maske tragen oder nicht auf weitere geltende Regeln achten, reagieren Sie höflich, umsichtig und bestimmt. Lassen Sie sich allerdings nicht auf eine Diskussion ein: Ein Streitgespräch erhöht eher das Risiko einer möglichen Ansteckung.

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Wie entsteht ein Zugfahrplan?

Auf den deutschen Schienen verkehren im Schnitt täglich 40.000 Züge von 452 zugelassenen öffentlichen Eisenbahnverkehrsunternehmen. Diese gilt es zu koordinieren – damit alle Züge sowohl ungehindert fahren als auch nach Plan ihren Zielbahnhof erreichen können. Daher müssen die Fahrpläne der Bahnen regelmäßig synchronisiert und an veränderte Gegebenheiten angepasst werden.

Schritte zum reibungslosen Fahrplan

Das Grundkonstrukt

Langfristige Verträge bilden die Basis aller Fahrpläne und regeln die grundsätzlichen Abläufe. Hierbei handelt es sich vorrangig um Züge, die im Stundentakt fahren und an Knotenbahnhöfen bestmögliche Anschlüsse zu anderen Zugverbindungen bieten. In den Verträgen wird auch die Sitzplatzkapazität auf den jeweiligen Strecken bestimmt.

Dann werden die (internationalen) Fernverkehrsstrecken mit den anderen Eisenbahnverkehrsunternehmen abgestimmt. Hierfür werden die einzelnen Haltestellen jedes Zuges auf der Strecke minutengenau aufgenommen, freie Gleise und auch zu erreichende Anschlusszüge beachtet.

Die nationale Planung

Steht das Grundkonstrukt geht es an die nationale Planung. Bund, Länder und Verkehrsbünde zeigen an, welche Verbindungen sie brauchen. Die neuen Pläne werden dann aus den Erfahrungen mit den bisher gültigen Plänen erstellt. Wenn beispielsweise ein Anschluss regelmäßig nicht funktionierte, wird eine Lösung gesucht und der neue Plan entsprechend angepasst. Ebenfalls werden die Fahrgastzahlen betrachtet: Gibt es bei einigen Strecken Verbesserungsbedarf? Müssen mehr Sitzplätze zur Verfügung gestellt werden, damit alle Fahrgäste bequem reisen können?

Auch Baustellen und die dadurch entstehenden Verzögerungen werden berücksichtigt. Ebenfalls einbezogen werden Züge zu Sonderveranstaltungen oder ein höheres Reiseaufkommen beispielsweise in der Ferienzeit. Diese werden situativ eingeplant.

Die lokale Planung

In die lokale Planung können Institutionen wie Arbeiter- und Wirtschaftskammern ihre Wünsche einbringen. Damit beispielsweise die Arbeiter aus den Ballungsgebieten um eine Großstadt genügend Möglichkeiten erhalten, pünktlich mit der Bahn zur Arbeit zu gelangen. Oder, dass der Zug nicht bereits vor dem Schulschluss wieder abfährt.

All diese Wünsche werden bei der Entstehung des Zugfahrplans berücksichtigt und zeitlich aufeinander abgestimmt – mit dem Ziel, die Bahnstrecken effizient zu nutzen. Anschließend wird überprüft, ob der Fahrplan mit dem Güter- und Fernverkehr vereinbar ist. Kollidieren die Wünsche, dann koordinieren die Infrastrukturunternehmen, die die Strecken betreiben, die Fahrpläne. In diesen Fällen verschieben sie die Züge und halten Rücksprache mit den Unternehmen.

Der fertige Fahrplan

Sind alle Strecken optimal ausgelastet und die Verbindungen abgestimmt, erhalten alle Eisenbahnverkehrsunternehmen den endgültigen Fahrplan. Das passiert circa ein halbes Jahr vor Inkrafttreten des neuen Fahrplans. Nun prüfen sie, ob ihre Wünsche berücksichtigt wurden und schließen mit dem Infrastrukturunternehmen einen verbindlichen Trassenvertrag für ein Jahr ab.

Stehen die Verträge, bleiben noch etwa drei Monate für kleinere Anpassungen und dann wird der Fahrplan veröffentlicht und tritt in Kraft.

Bemerken Sie auf Ihren Bahnreisen wechselnde Fahrpläne? Erzählen Sie uns doch von Ihren Erfahrungen im Kommentarfeld.

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Zivilcourage zeigen: Unterstützen Sie Mitreisende

Gerade betagten Personen oder Ortsfremden fällt es oft schwer sich am Bahnhof oder während der Zugfahrt zu orientieren. Sie sind auf Unterstützung angewiesen. Auch Sie können helfen.

Natürlich stehen für Hilfe und Beratung die Zugbegleiter bereit. In vollen Zügen ist es jedoch manchmal schwer, jedem Fahrgast die gewünschte Aufmerksamkeit zu bieten. Zeigen Sie Empathie und bieten Sie hilfesuchenden Mitreisenden Ihre Unterstützung an. Indem sich Reisende füreinander einsetzen, wird die Atmosphäre im Zug angenehmer. Außerdem steigt auch Ihr Sicherheitsgefühl. Denn wenn sich Bahnfahrende gegenseitig unterstützen, sinkt das Konfliktpotenzial. Aggressionen können bereits im Keim erstickt werden, sodass potenzielle Angreifer keine Angriffsfläche finden.

Mit diesen kleinen Gesten sorgen Sie für mehr Sicherheit auf Ihrer Bahnfahrt

  • Bieten Sie Rollstuhlfahrern oder Mitreisenden mit Kinderwagen oder Rollator Ihre Unterstützung beim Einsteigen an.
  • Sprechen Sie irritiert wirkende Mitreisende an und erfragen Sie, wie Sie helfen können. Oft reicht eine Auskunft über den kommenden Zug oder die Reisezeit.
  • Informieren Sie den Zugbegleiter, falls Sie weitere Hilfe benötigen.
  • Agieren Sie deeskalierend, wenn Sie einen Streit bemerken. Hierbei ist es wichtig, ruhig aufzutreten. Denn Gewalt zieht Gewalt an. Versuchen Sie, die Gewaltbereitschaft der Streitenden zu reduzieren und eine Lösung anzubieten. Drohungen oder Belustigung über das Verhalten steigern hingegen das Konfliktpotenzial. Tipp: Lesen Sie hier, wie Sie gewaltbereite Mitreisende erkennen.

Wichtig: Überschätzen Sie sich jedoch nicht und schützen Sie sich in einer Gefahrensituation.

Welche Erfahrungen haben Sie bereits auf Ihren Bahnreisen gesammelt? Wurde Ihnen bereits geholfen oder haben Sie andere Mitreisende unterstützt? Erzählen Sie uns gerne davon im Kommentarfeld.

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Bahnstromnetz

Bahnstrom: So kommt der Strom sicher in die Oberleitung

Bereits seit über 100 Jahren fahren auf Deutschlands Bahnstrecken elektrische Züge. Hierfür kann man jedoch nicht einfach Strom aus der Steckdose nutzen. Welcher Strom wie in die Oberleitung gelangt, erklären wir Ihnen.

Besondere Ansprüche an den Bahnstrom

Züge benötigen eine Frequenz von 16,7 Hertz. Das öffentliche Stromnetz wird hingegen mit 50 Hertz betrieben. Damit die Züge zuverlässig fahren können, ist also zum einen eine ausfallsichere und leistungsfähige Stromversorgung zum anderen die richtige Stromfrequenz notwendig. Dabei können auch erneuerbare Energien wie Wasserkraft, Windenergie und Sonnenenergie genutzt werden.

Neben der Erzeugung des Bahnstroms muss dieser auch zu den einzelnen Bahnstrecken transportiert und dort in die Oberleitung eingespeist werden. Denn den elektrisch betriebenen Zügen muss während der Fahrt ständig Strom zugeführt werden: entweder über Oberleitungen oder durch bodennahe Stromschienen.

Das separate Bahnstromnetz

Rund 8.000 Kilometer Leitungen bilden das deutsche Bahnstromnetz. Der Strom für die Bahnen kommt dabei nicht vom öffentlichen Stromnetz. Für eine maximale Leistungsfähigkeit des Zugverkehrs besitzt die Bahn ein eigenes Bahnstromnetz. Über 110-kV-Hochspannungsleitungen gelangt der Bahnstrom von den Kraftwerken zu den Unterwerken, die sich im Abstand von etwa 50 Kilometer entlang der Strecke befinden. Der eintreffende Strom mit einer Spannung von 110 kV wird mithilfe eines Transformators angepasst und mit 15 kV in die Oberleitung eingespeist. Über diese wird der Strom bis zu den Bahnstrecken transportiert.

Passiert ein Zug nun die Strecke, fließt der Strom von den Oberleitungen über den Stromabnehmer und wird über die Schienen abgeleitet. Da sich die Schienen fast auf Erdpotenzial befinden, ist eine Berührung im Normalfall völlig harmlos.

Nutzbare Bremsenergie

Viele Züge können selbst Strom erzeugen! Beim Bremsen. Moderne elektrische Züge besitzen hierfür eine sogenannte Bremsenergie-Rückspeisung. Dadurch arbeiten die Motoren der Züge als Generatoren. Die Bewegungsenergie wird nun in Strom umgewandelt, der in die Oberleitung zurückfließt. Der aus der Bremsenergie gewonnene Strom kann nun von anderen Zügen genutzt werden.

Verfolgen Sie auf Ihrer Bahnfahrt die Oberleitungen und bestaunen das filigrane Netz an Stromleitungen? Was würden Sie sich für das Energienetz der Bahn wünschen? Wir freuen uns auf Ihre Gedanken im Kommentarfeld.

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Zugführerin mit Signal und Pfeife

Zugführer*innen: So sorgen die Mitarbeiter für eine sichere Zugfahrt

Im Gegensatz zur ersten Assoziation: Der Zugführer ist nicht der Triebfahrzeugführer. Denn er fährt den Zug nicht. Aber welche Aufgaben haben der Zugführer oder die Zugführerin dann? Wir haben uns die Position genauer angeschaut.

Der Aufgabenbereich des Zugführers und der Zugführerin

Zugführer, Zugchef oder Zugsführer tragen in einem Eisenbahnunternehmen die Verantwortung für die Sicherheit und ordnungsgemäße Abwicklung einer Zugfahrt. Um der Zugaufsicht nachzukommen, stellt der Zugführer beispielsweise vor der Abfahrt die Abfahrbereitschaft des Zuges fest. Hierfür prüft er kurz die Lage am Bahngleis: Erlauben die Signale ein Losfahren des Zuges? Ist die Bahnstrecke frei oder befinden sich Fahrgäste vor der weißen Linie? Bevor die Türen schließen, gibt er einen Achtungspfiff. Ist der Zug abfahrbereit, erteilt der Zugführer dann dem Lokführer den Abfahrauftrag. Hierfür kann er entweder ein Abfahrsignal wie einen Befehlsstab verwenden oder den Abfahrauftrag mündlich mitteilen.

Betriebliche Aufgaben des Zugführers im Nahverkehr

Neben dem Abfahrauftrag arbeitet der Zugführer im Fahrgastbereich des Zuges. Während er im Fernverkehr, also in ICE- und IC/EC-Zügen, als Zugchef bezeichnet wird, wird die Position im Nahverkehr Kundenbetreuer genannt.

Hinweis: Oft erkennen Sie den Zugführer an seiner roten Armbinde.

Die Aufgaben des Kundenbetreuers und Zugchefs auf einen Blick:

  • Sicherheit der Fahrgäste und deren Ansprechpartner
  • Fahrkartenkontrolle
  • Lautsprecherdurchsagen im Zug
  • Kommunikation mit der Transport- bzw. Verkehrsleitung der Betriebs- oder Netzleitzentrale
  • Teamverantwortung für die anderen Zugbegleiter an Bord

Ausbildung zum Zugführer

Während der Ausbildung zum Zugführer lernen die Auszubildenden den Bahnbetrieb kennen. Hierbei beschäftigen sie sich mit den Teilbereichen Rangieren inkl. Kuppeln, Behandeln (Einstellung) der Bremsen im Zug, der technischen Wagenkunde sowie dem Berechnen der Bremshundertstel.

Wissenswert: Beim Bremshundertstel wird das Bremsvermögen des Zuges berechnet. Hierbei werden das Bremsgewicht des Zuges mit seiner Masse und der Bremsleistung ins Verhältnis gebracht. Die Zugführer lernen also, wie lange ein Zug abhängig von seiner Länge, Größe und Masse braucht, um zum Stehen zu kommen.

Außerdem machen sich die angehenden Zugführer damit vertraut, den Bremszettel und die Wagenliste zu erstellen. Natürlich erlernen sie auch Fahrausweisverkauf und -kontrolle und beschäftigen sich eingehend mit Fragen rund um den Service im Kundenbereich.

In einigen Zügen benötigt man jedoch keinen Zugführer. Dies ist bei den meisten Güterzügen und in vielen S-Bahnen der Fall. Denn hier kommen technische Einrichtungen wie das Technikbasierte Abfertigungsverfahren ohne menschliche Schnittstelle aus. In diesen Fällen übernimmt der Triebfahrzeugführer die betriebssicherheitliche Verantwortung. Daher kann ein Triebfahrzeugführer zwar zusätzlich ein Zugführer sein. Hingegen kann ein Zugführer nicht die Aufgaben des Triebfahrzeugführers übernehmen!

Haben Sie weitere Berufe rund um die Bahnfahrt, die Sie näher kennenlernen wollen? Dann schreiben Sie uns gerne einen Kommentar und wir schauen uns die Aufgaben genauer an.

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So sorgen Gleisarbeiten für eine sichere Bahnfahrt

Schienen sind jeder Witterung ausgesetzt. Außerdem nutzen die Züge selbst täglich die Gleise ab. Für eine sichere und reibungslose Bahnfahrt sind daher Inspektionen und Reparaturen notwendig. Wir haben uns die Gleisarbeiten näher angeschaut.

Welche Ursachen gibt es für Schäden an Schienen?

Die Hauptursache für die Schienenabnutzung sind die Züge selbst. So können zwar Eisenbahnschienen 30 bis 60 Jahre genutzt werden, doch eine hohe Beanspruchung der Strecke führt zu einem allmählichen Verschleiß und verkürzt die Lebensdauer der Schienen.

Hierbei kommt es schneller zu Schäden, wenn die Strecke besonders viel befahren ist. Auch die Geschwindigkeit der Züge beeinflusst den Grad der Abnutzung. So sind die Schienen auf einer Schnellfahrstrecke deutlich höher belastet als auf einer Strecke mit Tempolimit. Besonders auf kurvenreichen Strecken sind die Schienen einer starken Belastung ausgesetzt. Daher kann in engen Bögen bereits nach zwei Jahren ein Tausch der Schiene notwendig sein.

Neben den Zügen sorgt das Wetter für Abnutzungserscheinungen. Kälte oder gar Schnee und Vereisung führt dazu, dass sich das Metall zusammenzieht. Die Schienen können brechen. Bei erhöhter Sonneneinstrahlung und Hitze dehnt sich das Material hingegen aus und kann sich verbiegen. Aber auch normale Regenfälle wirken sich auf das Gleisbett aus. So unterspült das Regenwasser den Schotter. Dadurch kann sich das Gleisbett absenken. Die Höhe des Schotters ist jedoch wichtig. Denn er fixiert die Schwellen und die darauf befestigten Schienen. Sackt der Schotter ab, könnten auch die Schienen absinken.

Regelmäßige Inspektionen dokumentieren Schäden an den Schienen

Anlagenverantwortliche begutachten regelmäßig die Gleise und Weichen und dokumentieren Schäden. So können Abnutzungen früh erkannt und verhindert werden. Hierfür ist jedes Stück Gleis und jede Weiche aber auch die Oberleitung sowie die Leit- und Sicherungstechnik in einem System hinterlegt. Unregelmäßigkeiten können daher einfach aufgenommen und kategorisiert werden. Mithilfe dieser Kategorien wird entschieden, welche Gleisarbeiten wann durchgeführt werden müssen. Idealerweise werden mehrere Maßnahmen gebündelt und möglichst an Feiertagen, Wochenenden oder nachts umgesetzt.

Die Abstände der Inspektionen richten sich danach, wie stark die Gleise bereits abgenutzt sind oder wie stark die Belastung der Strecke ist. Darum werden Schnellfahrstrecken in kürzeren Abständen inspiziert.

Gleisarbeiten: Diese Ausbesserungen gibt es im Schienenbereich

Regelmäßig wird das Schotterbett korrigiert und wieder aufgefüllt: beispielsweise, wenn starke Regenfälle die Schotterfläche unterspült haben, Steine verrutscht sind oder das Gleisbett abgesackt ist. Diese Arbeit nennen die Gleisarbeiter „Stopfen“. Dabei wird der Schotter wieder an Ort und Stelle gebracht und Unebenheiten aufgefüllt. Hierfür benutzen die Arbeiter eine Gleisstopfmaschine.

So werden Probleme im Gleisbett behoben

Ein Wagen fährt voraus und misst unter anderem die Krümmung, Windung und Hebung der Gleise. Dann wird überprüft, ob die Parameter in einem festgelegten Bereich liegen. Denn nur dann dürfen die Schienen und Weichen befahren werden. Werden Unregelmäßigkeiten gefunden, kommt die Gleisstopfmaschine zum Einsatz. Die Stopfmaschine erledigt mehrere Aufgaben gleichzeitig: Zunächst hebt die Maschine die Gleise leicht an, dann füllt sie den Schotter auf und verdichtet ihn. Abschließend entfernt sie das übrig gebliebene Gestein.

Übrigens: Überschüssiger oder ausrangierter Schotter wird vollständig wiederverwendet. Hierfür wird das Material aufbereitet und kommt anschließend entweder als Recycling-Schotter wieder bei der Bahn oder alternativ als Rollsplitt im Straßenbau zum Einsatz.

Darüber hinaus sorgen Bettungs- und Reinigungsmaschinen für ein sauberes und sicheres Gleisbett. Wetterbedingte Verunreinigungen wie verschlammte Stellen oder kleine Stücke sortiert die Maschine aus. Der noch brauchbare Schotter wird hingegen zurück ins Schotterbett gebracht. Durch diese Verfahrensweise kann pro Gleismeter bis zu 60 % des Schotters wiederverwendet werden.

So wird ein Schienenbruch repariert

Durch große Temperaturschwankungen oder einem Verschleiß durch den Fahrbetrieb brechen manchmal Schienen. Diese müssen dann wieder verschweißt werden. Hierfür werden zwei Methoden angewandt:

Aluminiumthermisches Schweißen

Per Hand schweißen die Arbeiter die Schienen wieder zusammen. Hierfür wird zunächst eine Gussform angebracht. Währenddessen werden die Schienenenden mit Bunsenbrennern vorgewärmt. Anschließend wird auf die Gussform eine Art Eimer gestellt, in dem sich ein Gemisch aus Eisenoxid und Aluminium-Granulat befindet. Dieses sogenannte Thermit wird entzündet. Dabei erreicht das Gemisch eine Temperatur von über 2.300 Grad und verflüssigt sich. Nun kann die Flüssigkeit in die Gussform laufen und den Bruch schließen. Abschließend wird das überschüssige Thermit beseitigt und die Schiene abgeschliffen.

Abbrennstumpfschweißen

Bei Schnellfahrstrecken verwenden die Gleisarbeiter*innen die Methode des Abbrennstumpfschweißens. Hierbei werden die Schweißarbeiten vollautomatisch von einer Maschine übernommen. Mittels elektrischen Stroms werden die beiden Schienenenden bis zur Schmelztemperatur von 2.300 Grad erhitzt. Außerdem werden mögliche Unreinheiten beseitigt. Haben die Schienenenden die richtige Temperatur erreicht, presst die Maschine diese mit hohem Druck gegeneinander. Dadurch verschmelzen die Enden miteinander. Sofort wird das überschüssige Material entfernt und ein gleichmäßiger Übergang entsteht.

Haben Sie bereits Gleisarbeiten beobachten können? Wir freuen uns auf Ihre Eindrücke.

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Crashtests für Züge – Für eine sichere Bahnfahrt

Noch immer sind Züge das sicherste Verkehrsmittel. Hierfür sorgen genormte Crashtests der Fahrzeuge. Wie Knautschzonen und andere Sicherheitssysteme ihre Passagiere schützen sollen, stellen wir Ihnen hier vor.

Forschungsverbund Safetrain

Um Sicherheitsstandards zu definieren schlossen sich vom 1. August 1997 bis Juli 2001 16 Partner aus den Bereichen Bahn, Industrie und Wissenschaft zum Forschungsverbund Safetrain zusammen. Gemeinsam entwickelten sie Mindestanforderungen an die Kollisionsfestigkeit. Außerdem erarbeitete Safetrain Maßnahmen zum Insassenschutz. Auf einem Gelände des polnischen Bahnforschungszentrums in der Nähe von Breslau wurden anschließend Crashtests durchgeführt, um die Forderungen des Verbundes im Praxistest zu überprüfen.

Erstmalig wurden Mindestanforderungen für neue Schienenfahrzeuge festgeschrieben. Alle Forderungen wurden in eine Euro-Norm überführt. Eine für Automobile längst selbstverständliche „Knautsch-Zone“ ist nun auch bei Eisenbahnen europaweit Pflicht.

DIN 15227 gewährleistet die Sicherheitsstandards bei Zügen

Bereits seit 2008 definiert die DIN 15227 europaweit typenspezifische Crashanforderungen. In dieser Norm werden die Sicherheitsstandards für Wagenkästen, also Rahmen und Fahrgestell der Züge, festgelegt. Bevor S-Bahnen, Regional- und Hochgeschwindigkeitszüge zugelassen werden, müssen die Fahrzeuge unterschiedliche Sicherheitsprüfungen erfüllen. Während verschiedener Tests werden die Züge mit verschiedenen Geschwindigkeiten gegen ein Hindernis gerammt. Währenddessen müssen die Fahrzeuge die dabei entstehenden Kräfte aushalten.

Konsequenzen aus den Bahn-Crashtests

Mithilfe der Datenlage konnten die Forscher die Sicherheit der Wagenkästen verbessern. Diese tragende Konstruktion eines Schienenfahrzeugs soll, statt starr zu bleiben, Energie beim Aufprall aufnehmen und abführen. Somit wird verhindert, dass die Aufprallenergie als Beschleunigung an die Passagiere weitergegeben wird. Auch Energieabsorber sollen Kollisionsfolgen sowohl für Zugführer und Passagiere als auch Fahrzeuge minimieren. Die Absorber werden an den Kupplungen zwischen Lokomotive und Waggon eingesetzt. Des Weiteren werden sie zwischen zwei Waggons und in speziellen Inneneinrichtungen verbaut.

Durch die Tests konnte eine kontrollierte Verformung des Fahrzeugkopfes nach einem Drei-Stufen-Modell umgesetzt werden. So werden kleinere Aufprallkräfte mithilfe von mit Stauchrohren versehenen Kupplungen abgefangen. Nach dem Aufprall federn diese wieder in ihre Ursprungslage zurück. Anschließend falten sich spezielle Energieabsorber gleich einer Ziehharmonika. Dadurch wird weitere Bewegungsenergie aufgenommen. Laut Ergebnis der Crashtests konnten durch diese Bauweise drei Viertel der zerstörerischen Kräfte unschädlich gemacht werden. Der Rest der Kollisionsenergie wird durch Knautschzonen in den Wagenkasten-Enden und im Frontbereich abgewandt. Dadurch bleiben Führerstände und Fahrgasträume innerhalb eines definierten Kräftespektrums unversehrt.

Indem sich die eigentliche Fahrgastzelle nur wenig verformt, steigt die Fahrgastsicherheit. Die Crashtests der Züge bestätigten auch, dass die hintereinander angeordneten Sitze den größten Schutz bei Unfällen bieten.

Da nicht alle Fahrzeuge zeitnah ausgetauscht werden können, wird regelmäßig ein gesetzlich vorgeschriebener Qualitätscheck durchgeführt. Hierbei wird überprüft, ob die Fahrzeuge den aktuellen Sicherheitsansprüchen entsprechen. Festgestellte Abweichungen werden umgehend behoben. Denn nur technisch einwandfreie Fahrzeuge werden eingesetzt.

Vertrauen Sie den Sicherheitsvorrichtungen der Fahrzeuge? Wir freuen uns auf Ihre Meinung und Ihre Erfahrungen. Nutzen Sie hierfür bitte das Kommentarfeld.

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