So sicher ist Bahnfahren: Die wichtigsten Sicherheitsfragen zu Ihrer Zugreise

Welcher Platz ist bei einem Zugunglück der sicherste? Wie oft werden Züge durchgecheckt? Und gibt es eine DIN für Züge? Wir stellen die wichtigsten Sicherheitsfragen zum Reisen mit der Bahn und geben die Antworten.

Wo ist der sicherste Sitzplatz im Zug?

Als erstes die schlechte Nachricht: Es gibt nicht den einen sichersten Platz im Zug. Je nach Art des Unfalls verteilen sich die auftreffenden Kräfte unterschiedlich. Bei einem Frontalzusammenstoß sind die Überlebenschancen im hinteren Teil des Zuges am größten. Denn ein Großteil der Aufprallenergie wurde am Zugende bereits absorbiert. Handelt es sich hingegen um einen Auffahrunfall, ist es im vorderen Teil des ersten Zuges sicherer. Neben Aufprall- und Auffahrunfällen gibt es jedoch auch diese, bei denen der mittlere Teil des Zuges entgleist. Vorn, hinten oder mittig im Zug: Welcher Platz ist denn nun zu empfehlen? Im Gegensatz zu Flugreisen und den sichersten Sitzplätzen gibt es für Züge leider keine entsprechenden Untersuchungen oder Statistiken.

Argumente für einen möglichst sicheren Sitzplatz

  • Wählen Sie einen Sitzplatz in der Zugmitte: Sicherste Knautschzone bei Aufprall- oder Auffahrunfall
  • Wählen Sie einen Gangplatz: Bester Platz bei einem seitlichen Zusammenstoß
  • Setzen Sie sich in Fahrtrichtung gesehen auf die rechte Seite: So reduzieren Sie die Gefahr durch entgegenkommende Züge
  • Setzen Sie sich entgegen der Fahrtrichtung: Der Sitz fängt einen Großteil der Aufprallenergie ab
  • Bevorzugen Sie ein Abteil statt eines Großraumwaggons: Hier gibt es weniger Gepäck, das bei einem Unfall umherfliegen könnte

Ist Bahn gefährlicher als Auto fahren?

Jetzt die gute Nachricht: Die Bahn ist statistisch gesehen das sicherste Verkehrsmittel. Denn laut den Berechnungen der Allianz pro Schiene ist Bahnfahren überall in Europa viel sicherer als Autofahren. So enden in Deutschland 55-mal mehr PKW- als Bahnunfälle tödlich. Und auch das Verletzungsrisiko ist bei PKW-Insassen 105-mal höher.

Gibt es einen Crashtest für Züge?

Für Wagenkästen, also die Rahmen und Fahrgestelle der Züge, gibt es seit 2008 die europaweite DIN 15227. Nach dieser Norm müssen Züge den festgelegten Sicherheitsstandards bei Zusammenstößen mit Gegenständen entsprechen. Die DIN beschreibt zahlreiche bauliche Maßnahmen für den Innenraum sowohl des Lokführers als auch der Fahrgäste, um den Wagenkasten so sicher wie möglich zu machen. Beispielsweise nehmen besonders steife Chassis, Absorber und Puffer die Aufprallenergie auf und leiten sie ab. Hierbei wurden typenspezifische Crashanforderungen definiert. Das heißt, dass S-Bahnen, Regional- und Hochgeschwindigkeitszüge unterschiedliche Sicherheitsprüfungen für ihre Zulassung erfüllen müssen. Je höhere Geschwindigkeiten ein Zug erreichen kann, desto umfangreicher sind die Sicherheitsauflagen.

Während verschiedener Tests rammt das jeweilige Fahrzeug mit diversen Geschwindigkeiten gegen ein Hindernis. Es wird geprüft, wie die Wagenkästen die entstehenden Kräfte aushalten. Und auch nach der Zulassung werden die sicherheitsrelevanten Auflagen regelmäßig geprüft.

Sind ältere Züge unsicherer als aktuelle Bauarten?

Nein. Bei regelmäßigen gesetzlich vorgeschriebenen Kontrollen der Züge wird überprüft, ob die Fahrzeuge den aktuellen Sicherheitsansprüchen entsprechen. Werden dabei Abweichungen festgestellt, werden diese umgehend behoben. Nur technisch einwandfreie Fahrzeuge werden eingesetzt.

Kann eine Gurtpflicht für mehr Sicherheit sorgen?

Natürlich würde ein Sicherheitsgurt bei diversen Unfällen für mehr Sicherheit sorgen. Dennoch ist davon auszugehen, dass viele Fahrgäste den Sicherheitsgurt nicht nutzen. Eine Bahnreise ist gerade wegen der gebotenen Bewegungsfreiheit attraktiv. Für viele Bahnreisende gehört gerade dieser Freiraum zur Reise dazu. Und wie sollte die Gurtpflicht in stark frequentierten Zügen umgesetzt werden? Hier stehen viele Fahrgäste, so entstünde ein Sicherheitsniveau zweiter Klasse.

Welche technischen Systeme sorgen für Sicherheit?

Für eine optimale Sicherheit werden das Schienennetz und die Bahnen permanent überwacht. Jede Zugfahrt ist genau getaktet und auf die Fahrpläne anderer Bahnen abgestimmt. So ist ein ausreichend großer Sicherheitsabstand zwischen den Zügen gewährleistet. Sensoren in den Zügen sowie an Gleisen und Kontrollpunkten überwachen ständig den geforderten Sicherheitsabstand. Die gesammelten Daten werden an Kontrollinstanzen gesandt, die in Leitstellen aufgeteilt sind. Die Leitstelle stimmt alle Bewegungen auf den Schienen mit den Fahrdienstleitern ab. Im ständigen Kontakt mit den Lokführern erteilt die Leitstelle dann Anweisungen und Fahrerlaubnisse. Neben der manuellen Überwachung sorgen technische Systeme für mehr Sicherheit: Entlang der Strecke sind Signale installiert, an denen sich der Lokführer orientiert. Licht- und Scheibensignale informieren über die jeweiligen Gleisabschnitte und die erlaubte Geschwindigkeit. Zusätzliche elektronische Signale werden von der Leitstelle gesteuert und im Cockpit angezeigt.

Diese modernen Sicherungs- und Zugbeeinflussungssysteme setzen die Bahnunternehmen ein

  • Punktförmige Zugbeeinflussung (PZB)
  • Linienzugbeeinflussung (LZB)
  • Sicherheitsfahrschaltung (Sifa)

Die Punktförmige Zugbeeinflussung (PZB) bremst oder stoppt Züge, wenn sie die Signale nicht beachten oder die zulässige Geschwindigkeit nicht einhalten. Bei Zügen, die über 160 km/h fahren, wird die Linienzugbeeinflussung (LZB) eingesetzt. Hierbei wird der Zug nicht nur punktförmig sondern permanent überwacht und geführt. Der längere Bremsweg aufgrund der höheren Geschwindigkeit wird durch eine frühzeitige Information an den Lokführer ausgeglichen. Außerdem wird dauerhaft kontrolliert, ob die korrekte Geschwindigkeit eingehalten wird. Wird diese überschritten, reagiert die Technik automatisch und bremst den Zug ab. Sollte das LZB-System einmal ausfallen, wird automatisch die PZB aktiviert.

Ergänzend bremst die Sicherheitsfahrschaltung (Sifa) einen Zug, falls der Lokführer während der Fahrt handlungsunfähig werden sollte. Als Kontrolle der Handlungsfähigkeit bedient der Lokführer mindestens alle 30 Sekunden ein Pedal oder einen Taster. Wird das Pedal nicht gedrückt, wird der Lokführer zuerst optisch und akustisch gewarnt – erfolgt keine Reaktion, wird der Zug vom System gebremst.

Welche Kontrolle gibt es für den Lokführer?

Damit der Lokführer nicht übermüdet einen Zug lenkt, gibt es vorgeschriebene Lenk- und Ruhezeiten. Durch die strikte organisatorische Planung sind Verstöße nicht möglich.

Wie sicher ist das Überqueren eines Bahnübergangs?

Auch an einem Bahnübergang gibt es Sicherungssysteme. So werden die Schranken auf zwei unterschiedliche Arten gesteuert: Zum einen vollautomatisch durch den passierenden Zug selbst, zum anderen manuell durch das Personal an den Stellwerken.

Bei der vollautomatischen Steuerung wird das Heben und Senken der Schranken mittels Sensoren im Sicherheitsbereich rund um den Bahnübergang ausgelöst. Zusätzlich kontrolliert der Lokführer, ob die Schranken tatsächlich geschlossen werden. Die manuelle Steuerung basiert hingegen auf Informationen der Überwachungskameras. Nähert sich ein Zug, werden die Schranken heruntergelassen. Einige Bahnübergänge werden außerdem von Radar- und Infrarot-Sensoren überwacht. Befindet sich hier trotz geschlossener Schranke ein Objekt auf einem Bahnübergang, wird der Lokführer gewarnt und kann rechtzeitig bremsen.

In welchem Fahrzeug fühlen Sie sich sicherer: Bus, Bahn, Flugzeug oder Auto? Woran liegt das? Schreiben Sie uns in den Kommentaren, welche Sicherheitssysteme Sie sich für eine sichere Fahrt wünschen.

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